Gemeinde Bremen-Neustadt

Türen auf? Ja, bitte!

Kurz nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine gestalteten Konfirmandinnen ein Plakat, auf das sie in gelb-blauen Buchstaben groß das Wort Freedom schrieben. Dann überlegten sie eine Weile. Sie fanden es nicht aussagekräftig genug. Schließlich fügten sie, etwas kleiner und in schwarz, die Worte „Fuck Putin“ hinzu. Das Transparent stellten wir im Gottesdienst vor, es hängt seitdem im Eingangsbereich des Gemeindezentrums Zion.

Dort ist es in den letzten Monaten Auslöser vieler Diskussionen geworden. Manche sind der Meinung, dass Putin als bekennender Christ nicht derart verunglimpft werden darf und die christliche Menschenliebe auch ihm gelte. Andere sagen, das F-Wort gezieme sich nicht, schon gar nicht in einer Kirchengemeinde. Auch fürchten einige um die Seele ihrer Kinder, wenn sie bei uns im Gemeindezentrum diese Worte erblicken. Gemeindeglieder haben mit Kirchenaustritt oder Gemeindewechsel gedroht, auch ist das Transparent schon abgerissen und in die Mülltonne geworfen worden.

Andere wiederum sind „positiv“ irritiert: „Toll, dass sich eine Gemeinde traut, so etwas zu sagen.“ Viele zollen den Konfirmandinnen Respekt für ihre klaren Worte. Die Gemeinde wird gelobt, die den Aussagen der Jugendlichen Raum gibt. Selten hat ein Aushang so verschiedene Reaktionen hervorgerufen, wobei die zustimmenden Voten in der Mehrheit sind.

Als evangelische Kirche haben wir ein enges Verhältnis zum Protest. Nicht zufällig werden wir auch „Protestanten“ genannt. Wir sollen Ungerechtigkeit beim Namen nennen, dazu sind manchmal kräftige Worte nötig. Damit knüpfen wir an eine starke prophetische Tradition der Bibel an. Die Suche nach Gerechtigkeit ist uns als zentrale Aufgabe unseres Glaubens auferlegt.

Putin ist für einen brutalen Angriffskrieg in der Ukraine verantwortlich, er ist ein Kriegsverbrecher und Mörder. Er nimmt den Tod vieler Menschen in Kauf, auch den vieler russischer Soldaten. Er schafft in Russland ein immer stärker werdendes autokratisches System, das keinen Widerspruch und Protest duldet.

Wer so massiv auftritt, dem müssen starke Worte gesagt werden. Die Konfirmand*innen haben in all ihrem Protest übrigens immer fein unterschieden zwischen Russland und Putin. Mehrere Plakate hatten die Verständigung und Versöhnung der beiden Völker zum Thema. Eins davon war auf dem Titelbild des letzten Gemeindebriefes zu sehen.

Seit Ende Februar herrscht nun Krieg in der Ukraine. Putin könnte ihn beenden, wenn er wollte. Er könnte Menschenleben retten und für Frieden sorgen. Es mangelt ihm aber offensichtlich an Mitleid, an Nächstenliebe und an Respekt vor anderen Völkern. Deshalb sind die Solidarität mit der Ukraine und der Protest gegen Putin weiterhin nötig. Wir werden das Plakat hängen lassen, solange der Krieg dauert.

Ihr Pastor Thomas Lieberum

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