Gemeinde Bremen-Neustadt

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Weihnachten findet nicht statt? Ein Kommentar von Jutta Ohlendorf

Weihnachten findet nicht statt. Solch einen Satz hört man an vielen Orten in diesen Tagen. Jutta Ohlendorf sieht das anders und will etwas anderes und erzählt davon in diesem persönlichen Kommentar.

„Weihnachten findet nicht statt…“

… sagte (fast) so ein Nachrichtensprecher vor einigen Tagen.
„Ohne Weihnachtsmarkt keine Weihnachtsstimmung!“, ergänzte eine sichtlich enttäuschte, traurige Mitbürgerin im TV-Interview.
„Weihnachten ohne Familie und Freunde – wie soll das gehen?“ fragen sich gerade alle, mit denen ich spreche, angesichts der neu drohenden Kontaktbeschränkungen.

Oder doch?

Vielleicht wie damals als Jesus geboren wurde, als Kind armer Eltern, allein, in der Fremde. Ein einziger Mensch hatte aus Mitleid der um Unterkunft bittenden Familie den minimalen Schutz eines Stalles geboten, wohl auch nur der bevor stehenden Geburt wegen, noch nicht völlig  gleichgültig gegen das Leid anderer und noch nicht vollständig vom Gewinnstreben beherrscht wie seine Nachbarn.
Auch einen Weihnachtsmarkt kannte man nicht. Zu ersten Weihnachtszeugen wurden Hirten, deren Arbeit anstrengend und gefährlich war – jedem Wetter schutzlos aus gesetzt. All dem konnten sie nur durch Zusammenhalt begegnen. Man musste sich aufeinander verlassen und miteinander teilen können – heute würden wir das vielleicht Solidarität nennen.
Sie haben die Freudenbotschaft der Engel gehört und wahr genommen, dass etwas Besonderes geschehen ist. Sie haben ihre anfängliche Furcht vor dem Unbekannten überwunden, sich auf den Weg gemacht und das neu geborene Kind in schweren Zeiten als ein Zeichen der Hoffnung gefunden, wie sie uns jedes neue Leben in dieser Welt empfinden lässt.

Und Weihnachten findet doch statt!

Weihnachten findet natürlich statt – auch und vor allem im Covid-19-Jahr 2020 mit dem leider notwendigen Verzicht auf uns lieb gewordene Rituale der Gemeinsamkeit.
Bethlehem auch 2020 zu finden könnte bedeuten, jenseits von oft nur noch lärmenden Weihnachtsmärkten, Riesenfeiern, in Hast und Eile erworbenen Geschenke-bergen, deren Umtausch direkt nach den Feiertagen das nächste große Geschäft dar stellt, danach zu sehen, wo jemand oder etwas unsere Solidarität benötigt, unsere Empathie, unser zugewandtes Handeln.
Gerade im Covid-19-Jahr brauchen wir dafür nicht lange zu suchen, wird doch durch das Virus an vielen Stellen grell beleuchtet, was auch vorher schon bedürftig und elend aber im Dunkeln verborgen gewesen ist.

Öffnet Eure Herzen!

„Öffnet eure Herzen!“ – ist in der Vorweihnachtszeit aus jedem Kaufhauslautsprecher zu hören, der bekannte Weihnachtslieder präsentiert. Nehmen wir das doch einmal wörtlich, selbst wenn wir dieses Lied der klingenden Glöckchen wegen als sentimental oder kitschig empfinden, also irgendwie unecht und fehl am Platz.
Wenn wir uns, auch gegen Widerstände und trotz unserer Furcht vor Neuem dem öffnen, was unseren Mitmenschen und unserer Umwelt an Respekt, Fürsorge und Liebe gut täte, hat Solidarität eine Chance.
Wir würden einander Mut machen und den Raum für die Hoffnung offen halten, dass die universelle Liebe, die wir Christen die Liebe Gottes nennen, größer ist als alles, was sie einschüchtert, bedroht oder gar zu zerstören versucht.

Fröhliche Weihnachten!

Dann hat Weihnachten auch 2020 die Kraft, lähmende, durch das Virus verstärkte Depressivität vergessen zu  lassen und zum alles überstrahlenden Fest zu werden!   

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